Geschichte

Geschichte I.
 
„Zweck und Ziel des Vereins ist, das Musikleben in der Gemeinde zu fördern und zu pflegen.“ So steht es ganz oben in der Gründungssatzung des Musikvereins Niederense, die im Januar 1949 unterschrieben wurde. 60 Jahre später feiern die Aktiven das Jubiläum der Gründung im Mai 2009 mit vielen Gästen das 20. Kreismusikfest des Volksmusikerbundes. Schon 1946 konnte Bernhard Floret auf eine 30jährige musikalische Tätigkeit in Niederense zurückblicken. Der noch im selben Jahr Verstorbene hatte bei verschiedenen Anlässen wie kirchlichen Festen einige Bewohner aus Niederense und den Nachbarorten zum Musizieren zusammengeholt. In den letzten Tagen vor seinem Tod nahm er Franz Nordhoff das Versprechen ab, sich in seinem Sinne weiter um die Musik im Ort zu kümmern. 
Unter der Leitung von Nordhoff und seinem Bruder Alfons blieben die Musiker zusammen und standen Gemeinde und Kirche weiter zur Verfügung. Wesentliche Verstärkung erhielten sie 1947, als Wilhelm Mack mit seiner Familie nach Niederense zog und Instrumente sowie Notenmaterial mitbrachte. Den Anstoß, aus den Mitgliedern der Blaskapelle und eines Streichorchesters einen Verein zu gründen, gab schließlich der aus Neheim zugezogene Adolf Schulze. Dieser wurde auf der Gründungsversammlung dann auch zum Vorsitzenden und Kapellmeister bestimmt, Herbert Haake fungierte als Leiter des Streichorchesters. Weitere Anwesende der Geburtsstunde des Musikvereins waren Fritz Gosselke, Josef Gosselke, Bernhard Freitag, Ewald Hermens, Franz Nordhoff, Karl Hagedorn, Bernhard Nordhoff, Wilhelm Mack sen., Wilhelm Mack jun., Franz Fischer, Gustav Schnieder, Heinrich Schulte, Friedhelm Schiermeister, Heinz Bleicher, Emil Peters und Helmuth Kickert, wie dem Archiv des Vereins zu entnehmen ist. Nach viel Aufbau- und Probearbeit konnte noch im Gründungsjahr 1949 das erste Nachkriegsschützenfest in Niederense musikalisch gestaltet werden.„Jeder unbescholtene Bürger“ konnte Mitglied werden heißt es in der Gründungssatzung; der „endgültigen Aufnahme als aktives Mitglied“ stand eine halbjährige Probezeit voraus. Schnell kamen die ersten Anfragen für Auftritte der Musiker, ganze Schützenfeste konnten „mit zirka 15 Mann Besetzung“ zugesagt werden. Noch im Gründungsjahr führte das Mitgliederverzeichnis über 100 Personen. Die ersten Weihnachtskonzerte des Vereins fanden damals noch am zweiten Weihnachtstag statt, am Folgetag waren die Musiker Ausrichter des Balls im Gasthof Luhmann. Auch die Vereinskasse füllte sich langsam; Uniformen, Noten und Instrumente wurden nach und nach angeschafft. Keine einfache Aufgabe: Im Jahr 1954 lag der durchschnittliche Brutto-Monatslohn eines Arbeiters bei 180 DM (Statistisches Bundesamt), eine neue Messing-Trompete kostete weit über 200. Für eine Tuba musste man meist sogar 500 Mark oder mehr auf den Ladentisch legen und für die erste Uniform („16 Garnituren plus Reserve-Jacket“) musste der junge Verein ganze 2 669 DM aufbringen. Nachdem er vier Jahre lang zwei Ämter übernommen hatte, legte Adolf Schulze das Amt des Vorsitzenden nieder und konzentrierte sich bis 1962 voll auf die musikalische Leitung. Sein Nachfolger als erster Vorsitzender des Musikvereins wurde Schulrektor Gerhard Schildkamp, unter dessen Leitung hat sich der Verein stetig vergrößerte und der Schulze später als „Vater des Musikvereins“ bezeichnete. Neuer Kapellmeister wurde Karl Hagedorn, der das Amt bis 1974 inne hatte. Unter Hagedorn begann eine intensive Ausbildung der Jugendlichen und die erste Jugendkapelle wurde gegründet. Zu den Höhepunkten der Anfangsjahre gehörten die Kurkonzerte in Bad Sassendorf sowie neben dem Jahresfest der Hubertus-Burderschaft zahlreiche auswärtige Schützenfeste. Gemeinsam mit dem Gesangverein wurden die jährliche Karnevalssitzung und das Weinfest in Niederense veranstaltet.Durch Auftritte welche die Musiker auch über die Kreisgrenzen hinaus führte wurde der Verein in der Region bekannt, so heißt es zum Beispiel in einer Anfrage aus Hüsten: „Es ist uns bekannt, dass sie für eine gute Konzert-, Tanz- und Stimmungsmusik garantieren.“ Die Gage der Kapelle richtete sich hier auch nach den Anfahrtskosten: Wenn möglich machten sich die Niederenser mit der Kleinbahn auf den Weg und berechneten die Fahrkarten. „Bis zum Ablauf der Polizeistunde“ wurde 1956 erstmals beim Schützenverein Berwicke/Stocklarn auf dem Fest gespielt, dort begleiten die Niederenser Musiker bis heute das Jahresfest. Recht schnell füllte sich der jährliche Tätigkeitsbericht des jungen Musikvereins, neben den wöchentlichen Proben wurden auch Auftritte bei dörflichen Terminen wie Prozessionen und den Festen der Vereine angenommen, auch Platzkonzerte wurden gespielt. Seit 1957 und bis in die 80er richtete der Musikverein den „Tag der Kranken und Alten“ aus: Für die älteren Dorfbewohner gab es hier eine Konzert- und Theaterveranstaltung, bei der auch der „Rentnerkönig“ ermittelt wurde.Zur ersten „Großveranstaltung“ lud der Musikverein mit 22 Aktiven in der Blaskapelle und 16 Aktiven im Spielmannszug im Mai 1958: Beim Musikfest und Freundschaftstreffen waren 16 Blaskapellen und Spielmannszüge im Möhnedorf zu Gast und feierten eines der ersten Feste in der neuen „Turn- und Festhalle“ (heutige Hubertushalle). Zwei Jahre zuvor hatte sich der Niederenser Spielmannszug, der aus der „Jünglings-Solidarität“ hervorgegangen war, dem Musikverein angeschlossen. Nachdem der Musikverein über ein Jahrzehnt mit einer Blaskapelle und einem Spielmannszug aktiv war, wurde auf der Generalversammlung im Jahr 1969 bekannt gegeben, dass die Spielleute im Weiteren wieder als selbstständiger Verein aktiv sein werden.

Vorsitzende:   Dirigenten (Blasorchester): 
Adolf Schulze 1949 – 1953         Adolf Schulze 1949 – 1962
Gerhard Schildkamp 1953 – 1975       Karl Hagedorn 1962- 1974
Heinz Rahmann 1975 – 1996   Wilhelm Mack 1974 – 1984
Richard Meinert 1996 – 2002     Werner Mack 1984 – 2009
Klaus Holin 2002 – 2004   Klaus Holin seit 2009
Werner Dülberg 2004 – 2013    
Martin Quenkert seit 2013    

 

Geschichte II.

 
In einem Zeitungsbericht vom selben Jahr heißt es lobend, der Musikverein habe sich in seinen ersten 20 Jahren „zu einem der ersten Kulturträger in der Möhnegemeinde entwickelt“. Ihren ersten Auftritt hatten die Jugend- und die Schülerkapelle in diesem Jahr lange hinter sich gebracht. Als weitere Abteilung des Musikvereins wurde die Tanzkapelle („TK“) unter der Leitung von Ewald Hermens gegründet, die bereits 1966 in einer „völlig überfüllten Sporthalle“ (heutige Hubertushalle) ihren zehnten Geburtstag feiert, wie der Soester Anzeiger berichtete. Später unter dem Namen „Möhnematrosen“ machte auch diese Kapelle den Verein in der Region bekannt, sogar ein TV-Auftritt beim Internationalen Jugend-Musiktreffen wurde absolviert. Zum 20jährigen Jubiläum holte die TK mit „Adam und Eve“ ein bundesweit bekanntes Sänger-Duo nach Niederense und mit den „Sonny Boys“ entstand in den 70ern sogar eine Jugend-Tanzkapelle. Fest im Kalender stand bei den Musikern auch die Nikolausfeier, bei der zum Teil über 400 Kinder beschenkt wurden. In einem Bericht aus dem Jahr 1964 ist vermerkt, dass auch immer mehr Frauen dem Musikverein beitreten. Die „TK“ wird in diesem Bericht besonders gelobt, so ist sie in einem Jahr „36 mal angefordert worden und habe überall einen ausgezeichneten Eindruck hinterlassen“. Ebenfalls im Jahr 1964 wurde Wilhelm Mack sen. geehrt, der 50 Jahre als Musiker aktiv war und sich seit der Gründung „um die Nachwuchsausbildung besonders ausgezeichnet habe“. Inzwischen zählte der Verein schon 257 Mitglieder. Nachdem die Mitgliederzahl im Jahr 1973 die „300er-Mark“ knackte, übergab Schildkamp den Vorsitz zwei Jahre später an Heinz Rahmann. 1974 hatte Wilhelm Mack jun. den Taktstock von Karl Hagedorn übernommen. Beim 30jährigen im Jahr 1979 konnten die Niederenser sogar den Titel „größter Musikverein im Kreis“ für sich beanspruchen. Nach dem plötzlichen Tod von Wilhelm Mack im Jahr 1984 übernahm sein Sohn Werner das Amt des Dirigenten. Der hatte seinen Vater in den Vorjahren bereits mehrmals vertreten und erfüllte die von der Satzung geforderten „musikalischen Qualifikationen“ als Berufsmusiker fraglos. Er kündigte an, das Niveau der Kapelle weiter heben zu wollen, denn „Stillstand ist Rückgang“, wie er nach seiner Wahl sagte. Dass dies gelungen ist, war auf den vorweihnachtlichen Konzerten des Vereins zu hören: Jeweils am ersten Samstag im Dezember bieten die Niederenser eine Mischung aus Märschen und Polkas sowie Melodien aus Film-, Musical- und Popmusik. Wie bei den Veranstaltungen in den ersten Jahrzehnten gibt es für die Aktiven auch hier keine Schwierigkeiten, die Hubertushalle zu füllen. 60 Jahre nach der Gründung feierte der Musikverein dann am achten und neunten Mai 2009 seinen Geburtstag und war  nach 1979 und 1989 bereits zum dritten Mal Ausrichter des Kreismusikfests. Mit der Zeit ist der Verein weiter gewachsen und hat heute über 500 Mitglieder, von denen sich 24 in der Jugendkapelle bzw. der Ausbildung und 52 in der Seniorenkapelle befinden. Im Durchschnitt sind die Aktiven jünger als 27 Jahre – Nachwuchssorgen muss man sich also auch im neuen Jahrtausend nicht machen. Das ist auch ein Verdienst der Gründer um Adolf Schulze, die dem Musikverein von Anfang an die Jugendarbeit und -ausbildung auf die Fahnen geschrieben haben. Heinz Schiermeister, der sich Jahrzehnte lang und bis vor einigen Jahren um die Ausbildung kümmerte, sorgte dafür, dass neben den Proben und Auftritten auch Ausflüge und Zeltlager organisiert wurden. Für seine Jugendarbeit im Verein und dem Kreisverband Soest des Volksmusikerbundes wurde er im Jahr 2005 sogar mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet. Heute leitet Christof Jäger den Musikernachwuchs, der durch die Aktiven eine kostenlose Ausbildung am Instrument und in der Theorie erhält.  Zu den festen Terminen der Seniorenkapelle gehören derzeit neben den vorweihnachtlichen Konzerten die Schützenfeste in Niederense, Günne, Berwicke/Stocklarn, Deiringsen und Scheidingen; zum Teil ist man hier seit über 60 Jahren verpflichtet. Auch die Teilnahme an kirchlichen Festen wie den Prozessionen oder an Terminen im Dorf wie dem Osterfeuer und dem Maibaumaufstellen steht bei den Musikern genau so im Kalender wie das Spiel im Ort an Heilig Abend – schließlich liegen in diesen Auftritten die Wurzeln des Vereins.